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RESPEKT. Gedanken.

Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt. (Immanuel KANT, 1724-1804).

Bei diesem bekannten Satz denken wir wohl zuerst an unsere Mitmenschen, aber nicht an unsere Natur, in der wir uns bewegen. Wir Alpenvereinsmitglieder – ob als (Schneeschuh)Wanderer, Bergsteiger, Mountainbiker oder Schitourengeher – sollten die notwendigen Freiheiten von Dritten, ob Wildtiere oder Pflanzen zu schätzen wissen.

Gemeint ist hier nicht die selbstverständliche Beachtung der gesetzlichen (Naturschutzrecht, Forstrecht) Regelungen, sondern unsere ehrliche, innere Bereitschaft unser Naturerlebnis bewusst zu leben, zu erleben.

Und sind wir dabei auch bewusst, dass wir dies immer auf fremden Grundeigentum erleben.
Albert SCHWEITZER (1875-1967) brachte es auf den Punkt: Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen. Machen wir es anders, machen wir es uns bewusst:
  • RESPEKTiere fremdes Grundeigentum: Die Wegefreiheit oberhalb der Waldgrenze und das freie Betretungsrecht des Waldes zu Erholungszwecken werden von den Grundeigentümern außer Streit gestellt! Wir sollten uns in diesen Grenzen der Sozialpflichtigkeit des Grundeigentums bewegen. Dazu gehört auch das Mountainbiken auf freigegebenen Wegen und keine Schitourenansteige und -abfahrten über Verjüngungsflächen im Wald.
 
  • RESPEKTiere harte Bergwinter. Hart für Wildtiere. Je höher, desto härter. Deshalb wohnen wir im Tal, im heute verbauten winterlichen Rückzugsgebiet der Wildtiere.
 
  • RESPEKTiere je höher das Ski(touren)gebiet liegt, desto mehr bedrohst DU mit abgelegenen Schiabfahrten scheue und seltene Wildtiere. Lass auch dem Wild seine Rückzugsräume. Wenn DU Dich an feste Routen, Wege und Skiabfahrten hältst, bleibst DU für Wildtiere berechenbar und stellst keine Gefahr dar.
 
  • RESPEKTiere Tiefschnee: Meterhoher Pulverschnee und klirrend-kalte Temperaturen lassen uns Schitourengeher jubeln. Und Wildtiere verzweifeln. Panik, Flucht, Stress. Wir würde es uns ohne Schi im Tiefschnee ergehen ... auch DU möchtest nicht gejagt werden!
 
  • RESPEKTiere Wildfütterungen: Melde diese, obwohl sie reizvoll sind. Halte ausreichend Abstand. Wer lässt sich gern beim Essen – sprich äsen – stören und sei es nur durch „Zuschauen“.
 
  • RESPEKTiere Abstände. Wer sich hörbar von unten nähert, macht dem Wild weniger Stress als steile, schnelle und unkontrollierte Abfahrer.
 
  • RESPEKTiere Auerwild: Als Kind hast DU sicher auch Schneehöhlen gebaut. Raufußhühner (Schneehuhn, Birkhuhn, Auerhuhn) bauen sich auch derartige Höhlen. Leider bevorzugt in schneesicheren, lawinengeschützten Nordhängen. Bevorzugte Einstandsbereiche für Raufußhühner sind zudem Baumgruppen und Einzelbäume an der Wald- und Baumgrenze.
 
  • RESPEKTiere Tagesrandzeiten: Morgen- und Abenddämmerung sind die Zeiten der Nahrungsaufnahme des Wildes. Skiabfahrten in der Dämmerung sind damit doppelt gefährlich.
 
  • RESPEKTiere Waldflächen. Schutzwald ist ein geschützter Wald. Er schützt uns vor Steinschlag, Muren und  Schneelawinen. Ein gesunder Schutzwald braucht junge Bäume. Die Triebe dieser jungen Bäume vertragen keine Stahlkanten und noch viel weniger den Verbiss durch Wildtiere. Beunruhigte Wildtiere benötigen mehr Futter, also mehr junge Bäume. Werde Schutzwaldschützer!
 
  • RESPEKTiere wenn DU keine Tiere siehst, heißt es nicht, es sind keine da. Auch hohe Wildstände entziehen sich dem Wanderer. Suche daher Wildtiere nicht, sie spüren Dich. Wildtiere sind keine Zootiere.
 
  • RESPEKTiere deinen Hund. Auch Dein Hund hat Respekt vor Dir. Wenn er Dich auf Deiner Berg- oder Schitour begleitet, sollte er nicht jene Fehler machen, die DU vermeiden wolltest.
 
  • RESPEKTiere Pflanzen: Pflanzen könne nicht flüchten. Geringe Schneelage schadet Deinen Tourenskiern, Insbesondere aber den Pflanzen.
 
  • RESPEKTiere Warn- und Hinweisschilder: Schilder in der Landschaft sind nicht schön. Aber immer wieder – zeitlich befristet – notwendig. Befristete forstliche Sperrgebiete sichern das Arbeitsumfeld der Holzarbeiter … und DICH vor fallenden Bäumen.
 
  • RESPEKTiere Deine Nächsten: Jeder von uns will respektiert werden. Auch Tiere und Pflanzen verdienen dieses Respekt. Und darum gehört Dein Abfall in den heimischen Container und Zigarettenreste suchen den Alpenverein-Taschenbecher. Und nichts Mitgebrachtes bleibt am Berg!

 
NUTZE Informationsmöglichkeiten! Plane Deine RESPEKTiere-Tour ... durch einen Blick ins Internet: https://www.respektieredeinegrenzen.at/die-initative/ruhezonen-karte/, durch detaillierte Auskünfte der Naturschutz-, Forst- und Jagdbehörden der Bezirkshauptmannschaften, der Gemeindeämter und Tourismusverbände … und durch die guten Geister in unserer Geschäftsstelle.

Text: Gerald Schlager
Fotos: Roland Kals
 

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