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Hochtour auf den Hochkalter über den Blaueisgletscher

Es ist Samstag, der 15.06., 4 Uhr in der Früh, stockdunkel und es misst eine für diese Zeit erstaunliche Außentemperatur von 25°C. Aber diese Umstände halten 6 hochtourenbegeisterte Bergsteiger nicht ab, sich beim Parkplatz bei der Untersbergbahn in Grödig zu treffen und gemeinsam in die Berchtesgadener Alpen weiter zu fahren, um den 2.607 m hohen Hochkalter, zu besteigen.
 
Schwer bepackt mit den für Hochtouren üblichen Ausrüstungsgegenständen (Pickel - für diese Tour sogar 2 Stück erforderlich, Steigeisen, Seil und Klettergurt etc.) und noch den Polster im Gesicht, fragt so Manche/r sich in solchen Momenten dann schon manchmal - was man für einzigartige Bergerlebnisse, nicht so alles auf sich nimmt.
 
Die Tour beginnt am Parkplatz Hinterseestraße und erstes Vogelgezwitscher leitet gleich einmal nach den ersten gegangenen Höhenmetern in Richtung Blaueishütte, den Tagesbeginn ein. Hier ist die Temperatur auch um einige Grade kühler als noch auf der Salzburger Seite. Aber das eigentliche Thema des Tages ist eindeutig der Wetterbericht, da für den Nachmittag Gewitter gemeldet wurden. So sind wir während der gesamten Tour immer wieder mit Wetterbeobachtung beschäftigt und allen ist klar, dass die Tour möglicherweise ohne Gipfelfreude abgebrochen werden könnte. Egal, wir gehen soweit wie möglich und drehen wenn nötig einfach um.
 
Unser aufmerksamer Tourenführer Martin, weist uns auf die Zeichen des Gletscherschliffs hin, der sich doch sehr weit ins Tal erstreckt und die Eismassen von damals erahnen lässt.
 
Nach nicht ganz 2 Stunden Gehzeit erreichen wir die Blaueishütte, wo die ersten wach gewordenen Gäste bereits ihr Frühstück auf der Terrasse genießen und sich für uns dieser imposante Blick auf die Weite des Gebietes und die Gipfel (Schärtenspitze, Hochkalter, etc.), erstreckt.
Hier bietet sich die Gelegenheit bequemes Schuhwerk für den Abstieg zu deponieren und die kurze Tourenbekleidung gegen eine lange zu tauschen, während sich unser Tourenführer noch einmal über den aktuellen Wetterbericht bei den Wirtsleuten erkundigt, welcher keine neuen Ergebnisse liefert: das Wetter sollte auf jeden Fall bis zwei – drei Uhr am Nachmittag halten. Das ist eine brauchbare Prognose, denn wir liegen sehr gut in der Zeit.
 
Wir machen uns wieder auf  den Weg. Unsere Route setzt sich über Schneefelder, Richtung Blaueisgletscher fort. Bei einsetzender Steilheit wird auf Steigeisen und Pickel umgesattelt. Richtig interessant ist es aber dann am Grat bei leichten II-er Kletterpassagen zur Blaueisscharte, die sichtlich niemandem Probleme zu bereiten scheinen. Die Freude ist allen förmlich ins Gesicht geschrieben, doch Martin treibt uns an - ganz nach dem Motto „der Tag soll nicht vor dem Abend gelobt werden“, fordert er uns auf, nicht zu trödeln.
Weiter am Grat entlang, vorbei am Rotpalfen und Kleinkalter -
die letzte Passage wird dann noch einmal richtig steil und das Auspacken des zweiten Pickels eindeutig sinnvoll. Jetzt nur noch ca.100 Hm leichtes Klettern und der Gipfel ist erreicht!

Oben angekommen freuen wir uns über die verzogenen Wolken und den Sonnenschein und dass uns Martin (sichtlich erleichtert alle Teilnehmer angekommen zu erleben - bis auf einen TN, der wegen eines vorher bestehendem Gebrechens vorzeitig zur Hütte umgekehrt war), nun endlich eine ausgiebige Brotzeit gönnt.
 
Während wir da oben auf dem Gipfel jausnend am Felsen rum lungern, machen wir plötzlich große Augen und kommen aus dem Staunen fast nicht mehr raus. Ein Steinadler nähert sich uns mit seinem majestätischen Flug und noch bevor wir ihn richtig realisiert haben, ist er auch schon wieder verschwunden - genauso leise und anmutig, wie er aufgetaucht war.
 
Der Abstieg über dem Normalweg mit nicht wenig zu überwindenden Schneefeldern wird dann auch noch einmal richtig interessant und erfordert im letzten steileren Schneefeldabschnitt unsere Geschicklichkeit und Körperbeherrschung.

Auf keinen Fall unerwähnt bleiben darf die kulinarische Verköstigung auf der Blaueishütte bei der Rückkehr - diese riesigen Kuchenstücke sind einfach legendär und fast schon ein Muss! Das Wetter hält übrigens tatsächlich bis wir fast alle aufgegessen haben und man möchte es nicht glauben, als es zu regnen beginnt ist es 14.30 Uhr.
Regenjacke - zwar für den Abstieg zurück zum Parkplatz - übergestreift, aber wirklich nass werden wir nicht. Blitz und Donner bleiben komplett aus, wofür wir sehr dankbar sind - bei dem ganzen umgehängten Eisenkrempel ;).
 
Zum Abschluss wird den beiden Tourenführern Martin und Lukas für diese sehr gelungene Alpintour „nomen est omen“ :) - noch einmal sehr herzlich gedankt und wir hoffen, dass der übermütige Sprung eines Teilnehmers beim Abstieg keine weiteren Folgen nach sich zieht, damit man bald wieder eine der nächsten Touren gemeinsam erleben kann.
 
 
Fotos: Lukas Madreiter, Julia Mitteregger und Marina Wallmann
Bericht: Marina Wallmann
 
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