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Kasnocken, Pulverschnee, Fellwachs und Scharade

Sonnenschein und Schneesturm, Anstollen und Schneehöhle. Porridge, 40° und lehrreicher Schnee. Kurz: Das Skitourenwochenende der Alpingeier vom 10. bis zum 12. Februar 2018 auf der Genneralm.

Am Samstag treffen wir uns um 8 Uhr morgens am Salzburger Hauptbahnhof mit 12 Paar Schi und ebenso vielen Rucksäcken. Manch einer läuft noch Jause kaufen, dann räumen wir den gesamten Bus voll und die anderen Skifahrer, die nach Hintersee wollen, schauen blöd.

In Hof steigen wir um, in einer kurzen Schneepause kommen wir in Lämmerbach an. Robert verteilt mehrere Kilo Essen auf unser aller Rucksäcke und wir folgen der Karawane der Skitourengeher hinauf ins Almgebiet. Die Bergrettungshütte auf der Genneralm ist schon „bewohnt“, vier Bergretter sitzen in der Küche und haben schon eingeheizt, sodass wir gar nicht mehr hinauswollen. Doch nach dem Beziehen der Zimmer müssen wir wohl doch noch einmal in den Wind und den Nebel, den der Samstag so mitgebracht hat und wir schreiten mit plötzlich ganz leichten Rucksäcken zur Spitzkehrenübung. Der Hang hat zwar keine 30°, aber für unsere Zwecke reicht es, wir rutschen ihn wieder hinunter und machen uns auf den Weg zum hohen Zinken, unserem Tagesziel. Die ganze Welt ist weiß, die Wolken ebenso wie immer wieder durch die Luft wirbelnde Flocken und so kämpfen wir uns durch die Kälte.
Knapp unterhalb des Gipfels bauen wir auf Abfahrt um, Sebi natürlich im Hühnerkostüm, und gehen die letzten 20 Meter hinauf zum umgewehten Kreuz. Nach erfrorenem Gipfelfoto schmeißen wir uns einen 40° Hang hinunter, erwischen ein-zwei Pulverschwünge und kommen zur Hütte zurück. Die Zeit vor dem Abendessen verbringen wir mit Sondenübungen und dem Graben einer gigantischen Höhle, weil gar so viel Schnee liegt. Währenddessen wird in der Küche gekocht und heißhungrig machen wir uns über Spaghetti und Krautsalat her, zur Nachspeise gibt es sogar Kuchen, den wir heraufgeschleppt haben.
Den Abend verbringen wir natürlich mit Werwolf und später dann mit Karten- und Zaubertricks, als die Betreuer ins Bett gehen. Am nächsten Morgen nach Porridge zum Frühstück lassen wir uns vom strahlenden Sonnenschein auf die Ski ziehen. Erst einmal dürfen wir abfahren, durch glitzernde Hänge, bevor wir den Weg zum Hochwieskopf angehen. Buchenwald, dann Winterwunderland. Am Schluss noch frieren, weil es in Gipfelnähe bläst, doch dafür schenkt uns die Abfahrt Pulverschwünge abwechselnd mit „lehrreichem Eisenbahnpowder“. Wie viel wir dabei lernen, während wir Stürze vermeiden, sei dahingestellt.

Inzwischen sind wir auf der anderen Seite des Berges angekommen und jausnen in der Sonne, bevor wir wieder auffellen. Immerhin müssen wir wieder zurück ins ursprüngliche Tal. Als wir aufsteigen, ziehen die ersten Wolken vor die Sonne, der Hang wird steil, steiler, 35°. Wir kämpfen uns mehr schlecht als Recht durch die letzten paar Meter, bis wir auf dem nördlichen Sattel des Hochwieskopfes stehen. Inzwischen schneit es, uns ist kalt und wir sind angespannt, weil im Wald vorhin ein wenig Verzweiflung aufgekommen ist. Doch dann folgen die Osthänge hinunter und wir tauchen durch Pulver, wir fahren Wasserski im Schnee und schnaufen, als wir unten ankommen. Der letzte Anstieg zur Hütte ist nun nicht mehr schlimm.
Weil Raffi am Montag arbeiten muss und Andi kränkelt, verlassen uns bis auf Robert all unsere Betreuer und so muss der sich mit den Alpingeiern beim Kasnocken-kochen herumschlagen. Eine Riesenpfanne wird gefüllt und wir kratzen sie restlos aus. Weil wir noch Popcorn-Mais haben, versuchen wir den auch zuzubereiten, doch leider brennt der vor allem an. In der Wartezeit wird vom Balkon in den 2 Meter Schneehaufen gesprungen, natürlich barfuß und ohne Jacke und zum wieder Aufwärmen setzen wir uns zum Kachelofen, spielen Scharade, naschen Popcorn, die trotz Anbrennen noch gut schmecken, und verlieren völlig den Überblick über die Zeit, als wir Erlagschein und Flaschengeist pantomimisch darstellen. Wir hören Musik, sind Charlie Chaplin und verschiedene Tiere und selbstverständlich auch Lawinen, bevor wir nach dem langen Tag schlafen gehen.

Am nächsten Morgen frühstücken wir, üben noch einmal mehrfach verschütteten Suche, wie sich das bei einem guten Skitourenwochenende gehört, im vollständigen Schneesturm, den der Montag gebracht hat. Wieder packen wir unsere Rucksäcke voll und stapfen los. Annas Schi stollen unglaublich an, doch zum Glück hat Robert Fellwachs dabei, das auch für Schi funktioniert. Nicht so viel Glück hat Robert selber, der eine Abkürzung durch einen Schlag nehmen will, auf einer Eisplatte ausrutscht und seinen neuen Schi an einem Baum abbricht. Das einzig Gute daran ist, dass ihm nichts passiert und der Schi noch zum Runterfahren taugt. Die geplante Tour, um den 5 km Hatscher nach Hintersee zu umgehen, fällt dadurch leider weg. Wir wandern durch den stetig weiterfallenden Schnee und erreichen das Gemeindeamt Hintersee, wo wir im Eingangsbereich einen geschützten Platz finden, um auf den Bus zu warten. Und weil Alpingeier Alpingeier sind, liefern wir uns zur Verabschiedung und zur Begrüßung des Busses noch eine Schneeballschlacht in perfektem Neuschee, der wunderbar zusammenklebt.

Danke an die Bergrettung Salzburg das wir die Hütte nutzen durften. Es war klasse bei euch.
Awards: Niki und Xandi machen Andi die Susi streitig, bekommen aber nur die Vize-Susi. Niki bekommt außerdem den Balkonspringer-Award für die kurzen Hosen. Anna erhält für ihre Sonnenbrille den Style-Award und Sebi und Katha überzeugen mit ihren Zaubertricks.
Text: Magdalena Maier
Fotos: Robert Delleske
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