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Irrlichter und Moorgeister

Für viele Jahrtausende galt das Ibmer Moor als gefährliches, unüberwindbares Land. Zum Glück – denn dadurch wurde eine einzigartige Naturlandschaft, die vor rund 12 000 Jahren entstanden ist, vor der Zerstörung bewahrt. Heute zählt das Ibmer Moor zu einem der wichtigsten Rückzugsräume bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Bekassine und Brachvogel haben hier ihre größten Brutgebiete. Auf den Moorwiesen gedeihen 17 Orchideenarten und neben dem Moorlehrpfad verspeisen fleischfressende Pflanzen winzige Mücken. Ganz Mutige dürfen sogar ein Bad in einem Moorloch nehmen!

13 „Moorgeister“ mit Laternen ausgerüstet wagten sich am Mittwoch den 31. Oktober mit der Moorwächterin in diese geheimnisvolle Welt. Genau zum faszinierenden und tief beeindruckenden Sonnenuntergang erreichten wir den romantisch gelegenen Seeleitensee wo wir den Enten bei ihrer lautstarken, abendlichen Konversation zuhören durften. Doch der grandiose Sonnenuntergang zog unsere Aufmerksamkeit voll auf sich, und bot uns ein unwahrscheinlich schönes und imposantes Naturschauspiel mit allen Facetten der glutroten Farbenpracht.
Nach diesem wundervollen Erlebnis führte uns die Moorfrau zum Seeleiten Bauer von wo wir noch einen letzten Blick hinunter zum romantischen Seeleitensee werfen konnten, um uns dann in der warmen und gemütlichen Stube an einer herzhaften „Moorgeister Jause“ erfreuen durften. Die Dunkelheit draußen hatte inzwischen voll eingesetzt, und so mancher von uns dachte schon an die gruseligen Moorleichen-Geschichten und natürlich auch an die Irrlichter die im Moor angeblich umherirren können! Vorsichtshalber wurde noch ein Schluck Most und Bier getrunken, sodass man für eventuelle „Moorgeister“ bestens gerüstet ist. Unsere Moorwächterin hat inzwischen ihre „Moorgarderobe“ angezogen – tiefschwarzer Umhang mit ebensolchem tiefschwarzen Spitzhut mit riesiger Krempe, und einem Stock, sicherheitshalber. Auch wir zündeten die Kerzen in unseren Laternen an, denn der Weg durch das nächtliche Moor ist ja auch nicht so ohne, erklärte uns die „Moorfrau“, und erzählte uns sogleich von den umherschweifenden Irrlichtern und den Moorweiberln. Diese Moorweiberln haben nachts ihr Augenmerk auf junge starke Männlein gerichtet die sie dann mit sich in die Tiefen des Moores hinunter ziehen und nicht mehr los lassen! Wir hatten zwar fünf Männlein dabei, doch diese wurden verschont – so ein Glück aber auch!
Die Nacht im Moor hat schon was Mystisches an sich:
 
O‘ schaurig ist’s übers Moor zu gehen,
sich wie Phantome die Dünste drehn.
Unter jedem Tritt ein Quellchen springt,
wenn aus der Spalte es zischt und singt.
O‘ schaurig ist’s übers Moor zu gehen!
 
Aber trotz Irrlichter die wir gesehen haben, sind wir alle wieder vollzählig und gut erhalten zum Ausgangspunkt zurückgekehrt, und alle waren vollauf begeistert, so eine unheimliche Mystik im nächtlichen Moor erlebt zu haben. Unsere liebe Moorführerin überraschte uns noch mit einem Geschenk, und zwar mit einem Stück Torf und einem Sträußerl Mooredelweiß, womit sie allen eine große Freude bereitete.

Christa Helpferer  
 
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