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AV Hochtour auf den Hochfeiler, 3509 m

Herbst – Hochtour auf den höchsten Gipfel der Zillertaler Alpen 
20. – 21.9.2019


 
Pünktlich um 12 Uhr Mittag trifft sich eine Gruppe von neun begeisterten Hochtourenbergsteigern in Piding zur gemeinsamen Abfahrt nach Südtirol. Mit zwei Autos geht es dann über Innsbruck und den Brenner nach Sterzing, wo es ein letztes Mal die Möglichkeit gibt, sich beim Eurospar eine Stärkung zu holen.
Das Wetter bei der Anfahrt ist bereits perfekt, die Sonne steht hoch am blauen Himmel und bis auf ein paar Schleierwolken ist die Sicht uneingeschränkt. So steigt auch die Motivation mit jedem zurückgelegtem Kilometer weiter an. Kurz nach Sterzing geht es ins Pfitscher Tal (ital. Val di Vizze), einem typischen Hochtal der Zentralalpen. Wir folgen der Straße bis nach St. Jakob, dem Hauptort des Tales.
Ich war bereits letzten Winter für einige Tage hier und habe vom Tal aus verschiedene, längere Schitouren unternommen. Dafür ist das Pfitschtal auch bei winterbegeisterten Bergsportlern bekannt, es gibt hier viele lohnende Touren!
Für uns geht es jetzt weiter bis nach Stein, dem letzten Ort im Tal. Hier beginnt die schmale und weitgehend unbefestigte Pfitscherjoch Straße. Wir fahren hinauf bis zur 3. Kehre auf 1720 m und haben Glück, es ist gerade noch Platz für unsere beiden Autos. Etwas weiter ist die Straße dann für PKWs gesperrt. Der 2246 m hohe Pass, über dem auf italienischer Seite das Pfitscher Joch Haus steht, ist ein wichtiger Übergang für die Alpenüberquerung.

Nachdem wir uns umgezogen haben, ziehen wir um 15.30 Uhr vom Parkplatz los. Ich informiere die Teilnehmer nochmals über die geplante Route und erinnere daran, die Steigeisen einzupacken. Obwohl der Hüttenwirt mir telefonisch mitgeteilt hatte, dass man wohl ohne Steigeisen bis zum Gipfel kommt, möchte ich nicht darauf verzichten. Das Risiko kurz vor dem Gipfel umdrehen zu müssen gehe ich nicht ein.
Der Weg geht zuerst etwas bergab und über eine schöne, neue Hängebrücke, bevor er sich auf der anderen Seite in vielen Kehren steil hinaufwindet. Danach führt der sehr schön angelegte Wanderweg hoch über dem Bach weiter Tal einwärts. Wir wandern nun in südöstliche Richtung, entlang den Abhängen des Blauen Kofel durch ein wunderschönes Almgebiet, langsam aber stetig bergauf. Erst dominieren noch Büsche, Sträucher und Latschen, etwas später und weiter oben wandern wir durch hohes Gras. Die Farben der Pflanzen sind schon recht herbstlich, der Winter ist hier nicht mehr weit. Zu unserem Glück ist der Schnee vom letzten Wintereinbruch vor 3 Wochen durch die recht hohen Temperaturen fast zur Gänze wieder geschmolzen. Nach ca. 1,5 Stunden machen wir auf ca. 2200 m eine kurze Pause, um etwas zu trinken. Das nützt eine Herde Schafe, um sich uns genauer anzusehen. Als wir weitergehen, wendet sich der Weg in Richtung Osten und die Landschaft wird kahler. Trotzdem scheint noch immer die Sonne, wir schaffen es immer gerade so hoch zu sein, dass uns der Schatten, der aus dem Tal höher kommt, nicht erwischt.
Nach ungefähr zwei Stunden Marsch sehen wir zum ersten Mal die Hütte vor uns und den sehr weit zurückgeschrumpften Gliederferner, der vom Hohen Weißzint (3371 m) herunterkommt. Es ist aber noch eine weitere halbe Stunde zu gehen, bis wir um 18.30 Uhr die Hochfeilerhütte auf 2715 m erreichen. Die relativ große und gut ausgestattete Hütte wurde erst 1986 eröffnet. Bewirtschaftet wird sie seit dieser Saison von einer Familie aus dem Pustertal. Andreas, der Hüttenwirt, verwöhnt uns mit einem hervorragenden und reichlichen Abendessen. Danach gilt es, die Zimmer zu beziehen und für den nächsten Tag alles herzurichten. Einige der Teilnehmer ziehen sich auch bald ins Nachtlager zurück. Ein paar andere nutzen mit mir den Abend bis zur Hüttenruhe voll aus und genießen das ein oder andere Glas Bier bzw. Südtiroler Wein. Auch der von der Wirtin servierte, selbstgemachte Kräuterschnaps soll hier erwähnt werden.

Am nächsten Morgen läutet bereits um 5.30 Uhr der Wecker. Alle Mitglieder unserer Gruppe sind sehr diszipliniert und so sitzen wir pünktlich um 6.00 Uhr beim Frühstück. Zumindest halbwegs gut geschlafen hat jeder, das wichtigste ist jedoch, dass niemand ein Problem mit der Höhe hat. Nun beginnt es draußen zu dämmern und die Vorfreude auf den Tag wächst. Um 6.30 Uhr starten wir wie vereinbart in Richtung Gipfel des höchsten Berges der Zillertaler Alpen. Die Temperatur ist ausgesprochen angenehm, zumindest hätte ich gedacht, dass es kälter sein wird. Der Boden ist zwar gefroren, die Lufttemperatur aber ein paar Grad im Plus.
Gleich nach der Hütte führt der Weg über eine mit Seilen versicherte Felsstufe, hinauf auf den Westrücken des Berges. Nach einiger Zeit wird der Körper warm und auch die Sonne kommt jetzt über den gegenüberliegenden Felshängen heraus. Also, die Jacken aufmachen oder ausziehen, da auch fast kein Wind geht. Das Wetter spielt überhaupt perfekt mit, heute ist nicht einmal ein Wölkchen am Himmel. Stetig steigen wir weiter nach oben, es ist ein Genuss! Nach eineinhalb Stunden legen wir eine kurze Pause ein. Ich erkundige mich nach dem Befinden bzw. achte auf Anzeichen von beginnendem Unwohlsein aufgrund der Höhe. Aber alle sind noch erstaunlich fit und außerdem voll motiviert. Also steigen wir weiter. Außer uns sind nur eine Handvoll anderer Bergsteiger unterwegs. Kurz vor dem Gipfel liegt dann doch noch ein bisschen Altschnee über den wir marschieren, Steigeisen sind nicht notwendig. Um 9.00 Uhr erreichen wir glücklich den Gipfel des 3509 m hohen Hochfeilers. Überwältigt schauen wir in die Ferne, die Sicht heute ist perfekt!
Gegenüber erhebt sich der Große Möseler und weiter im Norden der Oplerer und die Tuxer Alpen. Der Blick schweift in die Ferne und man sieht von Adamello, Bernina über Ortler, die Dolomiten mit Marmolada und Zinnen bis zum Großvenediger und den Hohen Tauern. Da es angenehm und fast windstill ist, genießen wir ausgiebig die Zeit am höchsten Punkt, machen Fotos und jausnen direkt am Gipfel.
Gestärkt geht es dann an den Abstieg. Bereits im oberen Teil kommen uns dann immer mehr Bergsteiger entgegen. Wir sind froh, jetzt abzusteigen und den Gipfel fast für uns alleine gehabt zu haben. Auch der gesamte Abstieg geht reibungslos von statten. Mittags sind wir zurück bei der Hochfeilerhütte, essen etwas zu Mittag und packen unsere Sachen für den Abstieg ins Tal. Trotz des langen Abstieges verläuft dieser kurzweilig, es wird gescherzt und geratscht. Auch neue Pläne für das kommende Jahr werden schon geschmiedet und so kommen wir ohne Zwischenfälle am frühen Nachmittag zurück zum Parkplatz.
 
Zum Abschluss kehren wir noch beim Gasthaus in Stein ein und sitzen bei wolkenlosem Himmel auf der Terrasse bei Kaffee und Kuchen bzw. Eis, bevor wir uns auf den Rückweg nach Salzburg machen.
 
Ganz am Ende möchte ich mich noch bei den acht Teilnehmern Anna, Felix, Andy, Hans, Martin, Dominik, Michael und Philipp recht herzlich bedanken! Alle waren auf die Tour gut vorbereitet, der Altersunterschied von über 50 Jahren zwischen dem jüngsten und dem ältesten Teilnehmer war kein Thema, und so hatten wir alle gemeinsam ein perfektes Hochtourenerlebnis!


Fotos und Bericht: Bernhard Mitis 

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